Hinter der
Extravaganz ihres Namens verbirgt sich stets eine fragile und süße
Natur. Köstlich und saftig, das ist die Birne, die Ihren (Wissens-)
Durst zu stillen versteht!
Der Pomologe kümmert
sich um beide mit der gleichen Leidenschaft, im Alphabet stehen sie
gleich hintereinander und beim Essen werden sie vor dem Käse zu
Cousin und Cousine. Tatsächlich aber stammen Apfel und Birne nicht
aus dem gleichen Milieu. Und das ist noch untertrieben. Der Apfel
ist ein robuster Bursche, volkstümlich und umgänglich. Nichts von
alldem ist die Birne. Als aristokratische Frucht wartet sie nicht:
Da heißt es, sie beizeiten zu genießen, sonst ist sie für immer
verloren. Empfindlich wie sie ist, fürchtet sie Druckstellen genauso
wie Feuchtigkeit. Ihr Baum, der über zweihundert Jahre alt werden
kann, zwingt die Zauberlehrlinge des Obstanbaus zu Geduld und
Hartnäckigkeit, denn man braucht durchschnittlich acht Jahre für die
Kreation eines neuen Apfels, aber es dauert fünfmal so lang, bis
eine neue Birnensorte entstanden ist. Wie schon die französische
Volksweisheit "Die Birne schäle deinem Freund, den Apfel deinem
Feind" beschreibt, unterscheiden sich beide sogar, wenn man sie
isst.
Daher vergessen wir für einen Augenblick diese
Obstschalen-Verwandtschaft und wenden uns den Äußerlichkeiten zu, um
einen Vergleich zu wagen, der in seiner Überzogenheit angemessener
ist: die Birne ist die Rose unter den Früchten. Denn gehören nicht
Birnbaum und Rosenstrauch zur großen Familie der Rosengewächse? Und
vor allem erfinden sich Blume und Frucht stets neu, in den
Kreuzungen, die vom Menschen erdacht und der Natur gebilligt werden.
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